NachGedacht

'Insane' lautet der Titel des Buches von Alisa Roth, von dem ich im Deutschlandfunk hörte.

Insane - Geisteskrank. Jeder fünfte Amerikaner leidet unter eine psychischen Erkrankung. Das beginnt bei Depression und reicht bis hin zu Psychose und Schizophrenie. Und: die meisten landen im Gefängnis. Die amerikanische Journalistin (NY) Alisa Roth ist dieser Tatsache nachgegangen und bietet einen verstörenden Blick auf die dortigen Zustände.

Erinnern Sie sich an den Film  'Einer flog über das Kuckucksnest' mit Jack Nicholson? Nun, an den Zuständen hat sich nur wenig geändert - nur es erfolgte ein Ortwechsel des Geschehens.

Die meisten staatlichen Heilanstalten wurden in den letzten Jahrzehnten geschlossen, so daß die Gemeinden mit der ambulanten Betreuung psychisch Erkrankter zunehmend überfordert sind. Zu wenig Therapieplätze, zu wenig Ärzte und das Problem der Kostenübernahme für eine Behandlung. Die Betroffenen landen - überwiegend wegen Bagetelldelikten wie Ladendiebstahl oder auch einfaches Herumlungern (!) - im Gefängnis - und bleiben dort. Der Frauenanteil liegt bei 75%.

Die Einzelhaft, der die Betroffenen sich ausgesetzt erleben, zudem das nicht ausreichend ausgebildete Personal  und Personalmangel, führen dazu, daß sich der psychische Zustand dieser Menschen rabiat verschlechtert. Nicht selten 'bricht die Seele ein' - sogar offentsichtlich gesunde Menschen werden krank 'gemacht'. Die Folgen für den psychisch Erkrankten wie auch die 'Krank-Gemachten', kann man sich nur annähernd vorstellen.

Das Problem der adäquaten Unterbringung psychisch erkrankter Menschen ist nicht neu. 'Während der gesamten Geschichte fiel es uns in den USA stets schwer zu entscheiden, wie und wo man psychisch kranke Menschen am besten behandeln soll', so Alisa Roth.

Quer durch die USA reiste die Journalistin. Suchte Gefängnisse auf dem Land und in der Stadt auf. Sprach mit Insassen und Angehörigen, Vollzugsbeamten und Ärzten. Einfühlsame Darstellung der Einzelschicksale, die sie aufgreift, wechseln mit der klaren, analytischen Betrachtung der Zustände und dem Aufdecken der Hintergründe. Und die gesamtgesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung. Nicht zu vergessen die Lösungsmodelle, die ebenfalls vorgestellt werden.

Es ist ein unbequemes und sehr ergreifendes Buch, das hoffentlich bald auch in deutscher Übersetzung vorliegen wird.

Alisa Roth: 'Insane. Americaa's Criminal Treatment of Mental Illness', Gebundene Ausgabe im Verlag Basic Books (3. April 2018), ISBN-13: 978-0465094196.

Manchmal sind es Worte, öfter Sätze, die hängenbleiben und nachwirken

"Glaub nicht alles, was du denkst!"

Ein Satz, auf den eine Freundin mich hinwies und der sich festgesetzt hat. Mich öfter innehalten läßt in meinen Gedankenwanderungen mit der Frage - stimmt das wirklich?

So entdecke ich doch Schubladen, die ich bislang übersehen oder noch nicht aufgespürt habe und die es zu entrümpeln gilt. Glaub nicht alles, was du denkst. Leichter ist es andere darauf hinzuweisen, daß Unsicherheiten unbegründet, das eigene Urteil über sich selbst unangemessen und da trotz gefühlter Schwäche soviel Stärke ist.

Auch wenn ich mich persönlich eigentlich als selbstkritischen Menschen betrachte oder betrachten möchte, so erweckte dieser Satz doch ein bisland halbgeschlossenes Auge für das, was alles in allem nicht so glaubhaft, bedenkens-wert ist. Was althergebracht und internalisiert an alten Stimmen in mir vorherrscht. Sich näher betrachtet, längst der Vergangenheit anheimgefallen ist. Sich festgebissen hat in meinem Kopf und sich auf meine Wahnehmung auswirkt. Und spüre dabei, wie ich mich von manch inneren Gefängnissen freizuschaufeln beginnen will. Eine Abenteuerreise, die ich gerne antrete.

Für derartige Gedankenarbeit möchte ich gerne auf ein Buch hinweisen, auf das ich immer wieder zurückgreife.

Ich bin o.k. - Du bist o.k.

Thomas A. Harris hat zusammen mit Eric Berne («Spiele der Erwachsenen») die Transaktionsanalyse wissenschaftlich begründet und praktisch erprobt. Das vorliegende Buch ist die Summe seiner zehnjährigen Arbeit mit einzelnen und Gruppen. Harris erklärt an anschaulichen Beispielen aus dem Alltagsleben die vier Grundeinstellungen, die das Verhalten aller Menschen bestimmen. Er wendet sein System an auf Probleme in der Ehe und bei der Kindererziehung, auf psychische und geistige Störungen, auf Aggression und Gewalt, auf die Generationenkonflikte, auf Vorurteile gegenüber Minderheiten, auf Fragen der Kreativität, Schwierigkeiten in der Pubertätszeit, ethische und religiöse Überzeugungen und internationale Spannungen.

 

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