Wir wünschen Ihnen von Herzen Wohlergehen für das neue Jahr.

Eine Botschaft, die mir als Weihnachtsgabe zugekommen, möchte ich an dieser Stelle teilen. Den Originaltext, dessen Autor ich nicht kenne, habe ich ein wenig umformuliert mit dem Bedürfnis alles mit meinen eigenen Worten mit-zu-teilen. Mich hat dieser Text, da mich diese Zeit mehr belastet, als daß ich stille Freude empfinden könnte, sehr berührt und so habe ich nachgespürt und in mir meine vierte Kerze entdeckt und neu entflammt. Wie heißt es immer und sehr wahr: die Hoffnung stirb zuletzt und irgendwie und -wo ist da doch noch ein Rest, was dafür spricht, daß da noch Kraft es mit den kommenden Morgenden aufnehmen zu können. - Trotz-alle-dem. (usv/Redaktionsteam)

Die vier Kerzen

Stille lastet im vom Plätzchenduft geschwängerten Raum - verlassen der Adventskranz auf dem Tisch in der guten Stube, die festlich hergerichtet - aus den Augen verloren. Es ist so still, daß man hören kann, wie die Kerzen miteinander sprechen.

So seufzt die erste der vieren: Ich heiße Friede, mein Licht leuchtet doch, erreichte ich die Herzendes Menschen nicht. Meiner Botschaft bleibt die Tür verschlossen, die Kräfte verlassen mich. So gesprochen flackert die Kerze ein letztes Mal auf und erlischt.

Die zweite Kerze flüstert - ich heiße Glaube, doch die Menschen sind taub für meine Stimme und haben sich im Labyrinth der Oberflächlichkeit verloren. Es hat keinen Sinn mehr zu brennen und ihnen den Weg zu deuten. Mit einem letzten Seufzen erlischt auch diese Kerze.

Die dritte klagt - ich heiße Liebe, doch die Menschen haben mich beiseite gestellt. Haben den Blick dafür verloren, was liebens-weit ist und sich den Begierden hingegeben, so daß ich erfriere. Auch diese Kerze erlischt.

Ein Kind betritt den Raum, sieht die erloschenen Kerzen und klagt - warum brennt ihr nicht mehr? Die Tränen laufen über die erblaßten Kinderbäckchen.

Da spricht die letzte, vierte Kerze, schwankend flackernd, nur mehr fahles Licht spendend. Ich bin die Hoffnung und solange ich noch entflammt, so werden die anderen, wenn du sie neuentzündest auch wieder brennen.

Das Kind nahm die Streichhölzer und zündete die Kerzen wieder an.


Jeder spricht in vielfältiger Weise über das Weihnachtsfest, das mit einem jeden Jahr früher stattfindet.

Als ich vor kurzem viel Zeit in der Praxis meiner Ärztin verbringen mußte, wurde ich unfreiwilligerweise eines recht denkwürdigen Intermezzos.

Zwei Damen in 'den besten Jahren', saßen zunächst beschäftig mit ihren Mobilteilen (leider bin ich nicht 'up to date was diese Geräte, mit denen ich auf Kriegsfuß stehe') beschäftigt nebeneinander. Als die Aufmerksamkeit der einen - sie hatte sich für den Gang zum Arzt sorgfältig zurecht gemacht, so als wolle sie eine öffentliche Veranstaltung besuchen, daß sie mir, gleich als ich den Wartebereich betrat ins Auge fiel - sich mehr der Umgebung als des Gerätes in ihrer Hand richtete, bemerkte sie ihre Sitznachbarin und gab ihrem Erkennen laut kund - ja, da sieht man sich mal, wie schön dich zu sehen ... . Die Dame, die erst nach kurzer Zeit sich angesprochen fühlte, reagierte in ähnlicher Weise und es entspann sich ein Gespräch über all die Hektik und Oberflächlichkeit was das so hochgerühmte Fest betrifft. Alles so teuer, die Vermessenheit der Wünsche, die befriedigt werden wollen und dann die Familie .... .

Es dauerte eine Weile, bis die eine Dame, die im Gegensatz zu ihrer Gesprächspartnerin - wir nannten es damals - ökomäßig - gekleidet war und der man, das was sie sagte auch abnehmen konnte, aufgerufen wurde und ihren Platz mit einem etwas gezwungen klingendem 'Wir schreiben uns' - früher, wir sehen uns - räumte. Dieser wurde von einer Dame besetzt, die sich gleich ihrer Nachbarin zuwandte und damit loslegte, was sie alles schon für das Fest vorbereitet habe und was sie noch alles erledigen müsse. Nun, unsere erste Dame - vergessen was sie vorher alles über den Konsum und die Aufgesetztheit des Festes der Liebe von sich gegeben hatte, suchte in peinlicher Form ihre neue Gesprächspartnerin zu übertrumpfen. Leider habe ich die Fortsetzung des Bäumchen-Wandel-Dichs nicht mehr miterleben können, da ich selbst abberufen wurde, doch interessiert hätte es mich schon, welche weitere Szene sich da abspielte.

Warum schreibe ich das - nun nicht, um über Damen, die ich nicht kenne, herzuziehen sondern einfach um Schein und Sein in Augenschein zu nehmen. Diese vielen Masken, die wir tragen, mit dem Bedürfnis anerkannt zu werden, Haltung zu zeigen, sich sehen lassen zu können. Welch trauriges Spiel, denn es wäre doch so einfach und im Zeichen des Festes der Liebe und des Humanismus sich so zu geben wie man, ist in dem Vertrauen auch so angenommen zu sein und Se(e)liges zu geben.

Vielleicht wäre dies ein Vorsatz für das kommende Jahr, statt sich vorzunehmen weniger zu rauchen oder mehr Sport zu treiben oder was auch immer.

(usv)

Einladung

Für alle diejenigen, die die Weihnachtsfeiertage über die Traurigkeit in sich spüren, und dies mehr als an den anderen Tagen, die mehr Möglichkeiten der Ablenkung bieten, so ist hier Raum für ein Mit-Teilen und für ein - wenn auch auf Distanz - Mit-Ein-Ander.

Ich merke immer, wie tröstlich es ist, zu spüren, daß es eben auch anderen so geht, wie mir, mit dieser lastenden Ein-Samkeit, die trotz der Menschen, die mir begegnen oder mit denen ich zusammen Zeit und Begebenheit erlebe und ich werde die Feiertage über wie auch zwischen den Jahren DA sein, in der Hoffnung, daß ich Gesellschaft finde im Nachspüren des Jahres, meinen Gedanken zum Hier und Jetzt und dem, was gerade diese sehr emotionalbefrachteten Tage in mir aufleben lassen, Gesellschaft finde.

(usv)


2018-12-31

zwischen dem 31. Dezember und dem 1. Januar

Seit dem Mittag knallt es draußen und stört meine Ruhe. Wenn ich zuhause bin habe ich meist das Radio an - heute ließ ich bewußt die Stille sich ausbreiten, war in mir wie seit langem nicht mehr und über-dachte das nun fast vergangene Jahr. Mir bedeutet Silvester wenig und es ist Ewigkeiten her, daß ich feierte. Eigentlich verbinden mich mehr schmerzliche Erinnerungen mit diesem Tag, als daß ich auf Schönes zurückblicken könnte. Viel war ich alleine - aus eigenem Willen oder aber weil es sich so ergeben hat.
Es ist das erste Mal, daß ich erleichtert bin einen Schlußstrich ziehen zu können. Mit dem Gedanken - in jedem Anfang wohnt ein Zauber bin ich heute sehr früh mehr oder weniger aus dem Bett gefallen und so wünsche ich Ihnen und mir ein friedvolles, ruhiges Jahr, in dem sich die Konzentration weniger auf technischen Fortschritt und Profit fokussiert, sondern daß das entschiedene Fortschreiten auf dem Wege hin (oder zurück) zu Menschlichkeit, einem bewußten Mit-Ein-Ander, einem bedachteren Austausch der Gedanken und Worte und der Freude anstelle des Fun&Spaßes wegweisend sein möge. Alle guten Wünsche - Sie lesen von uns …

usv - 23:05:03 | 2 Kommentare

2018-12-29

29. Dezember

Ist schon komisch, wenn man so ins Leere schreibt, doch vielleicht liest der eine oder andere doch, was ich so von mir gebe. In den letzten Tagen habe ich feststellen müssen, daß krank werden über die Feiertage und zwischen den Jahren wirklich unerträglich ist. Der Bereitschaftsdienst ist telefonisch nicht zu erreiche, die meisten Ärzte haben Urlaub und den Arzt, den ich dann endlich fand war kilometerweit entfernt. Mit dem Bus hätte ich das nicht geschafft und bevor ich ein Taxi hätte rufen müssen - in meinem Leben habe ich diesen Luxus nur wenige Male genutzt, war ich glücklich bei mir bekannten Menschen - Freunden - Hilfe zu finden. Jetzt sitze ich seit gefühlter Ewigkeit mit hohem Fieber, Luftmangel und Schmerzen hier zuhause und will einfach nur, daß das alles ein Ende hat. Vor Weihnachten, als es mir psychisch so schlecht ging, da dachte ich noch - krank werden und statt der unterträglichen Seelenschmerzen körperlich spüren - heute denke ich - bedenke, was du dir wünschst, es könnte wahr werden.
Ist schon denk-würdig, wie sich die alten Weisheiten immer wieder bewahrheiten.
Diese Zeit zwischen den Jahren ist schon merk-würdig. Als gestern oder war es vorgestern - habe das Zeitgefühl verloren - die Kracher für Silvester in den Verkauf kamen, da konnte es wohl jemand nicht erwarten - eine Viertelstunde wurde eine Rakete nach der anderen in das Schwarz des Himmels katapultiert. Dachte nur - naja, dem ist dann hoffentlich für Silvester selbst kein Geld mehr übrig geblieben - ein Krachmacher weniger.
Mußte Grinsen, als ich die Weihnachtsansprache unseres Bundespräsidenten hörte - Wir verlernen miteinander zu reden. Als ob das völlig neu und überraschend über diese Gesellschaft hineingebrochen wäre.
Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, doch ich bekomme immer wieder zu hören - es tat so gut mit ihnen zu reden, sie haben zugehört. Spricht für sich, ober? Ich habe einen Kollegen, der redet und redet und läßt einen überhaupt nicht zu Wort kommen, oder wenn geht er gar nicht darauf ein, springt von einem Thema zu anderen und spricht von Dingen, die seiner Einbildung entspringen und sagt dann - da haben wir doch gut miteinander geredet, oder? Mittlerweile gebe ich mir gar nicht erst die Mühe, ihn zu verstehen, was wider meine Natur ist sondern lasse ihm den Glauben ein echt gutes Gespräch geführt zu haben. Und er ist ja kein Einzelfall. Bereits vor Jahren ist mir die Sprachlosigkeit aufgestoßen, das Fehlende Mit-Ein-Ander reden, Faszination packte mich für das Thema Kommunikation als ich meine gescheiterte Ehe aufarbeitete - auch hier war mit ein Faktor die Unfähigkeit miteinander zu reden, was auch heute noch - wenn es mal zu Kontakt kommt und wir das überhaupt noch einmal ansprechen, von dem Anderen heftigst dementiert wird und nur ein Problem in meiner ohnehin anormalen Einbildung wäre blablabla.
Ich las letztens einen Aphorismus, der von mir hätte sein können, entspricht es doch ganz dem, was ich denke und wie ich handele. Ich rede dann, wenn die Worte es wert sind die Stille zu stören.
Wer sich mit dem Thema Kommunikation beschäftigen will, so kann ich als Buchtip guten Gewissens die drei Bänder von Friedmann Schulz von Thun nennen (rororo-Verlag), Miteinander reden. Am billigesten über Medimops zu bestellen, wenn man nicht unbedingt wert auf ein neues Buch legt. (Ist bitte nicht als Schleichwerbung mißzuverstehen, doch bei den vielen Büchern, die doch immer wieder kaufe ist das am günstigsten)
usv

usv - 06:12:05 | Kommentar hinzufügen

2018-12-24

Heilig Abend

Weihnachten ist für mich mehr ein Fest für und der Kinder. Weihnachten ist aber noch mehr und beschränkt sich für mich nicht nur auf die festgelegten und mehr oder weniger kalendarisch vorgeschriebenen Tage. Jeder Tag birgt ein Weihnachten im Sinne des sich Geborgen- und Gut-Aufgehoben-Fühlens und umso schöner ist es wenn das beides zusammenpaßt - das kalendarische wie auch das gefühlte Weihnachten. Wenn ich diese Feiertage alleine verbrachte, so ging ich abends immer durch die leergefegten Straßen vorbei an den illuminierten Fenstern und Wehmut erfüllte mich, die tiefe Sehnsucht nach Familie, zuhause. Dann drängten sich die Erinnerungen an diese vergangenen Weihnachten auf und ich sah wieder klar - niemand kann sagen, was hinter den Fassaden wirklich passiert und die Zunahme der psychischen Erkrankungen und Scheidungen, die immer neuen Suchtvarianten sprechen für sich. Als ich bei meiner Ärztin war, sprachen wir darüber und sie bestätigte meinen Eindruck. Beachtlich ist der verstärkte Zulauf vor den Feiertagen, auf die sich alle vordergründig mit so viel Freude und Erwartung vorbereiten und einstellen - nach außen hin, innerlich angespannt und vorsichtig. Seit Tagen schon ist der Umgang miteinander, begegnet man sich beim Einkaufen oder auf der Straße belastet mit latenter Aggressivität. Vorgestern beobachtete ich, wie zwei Männer nahe daran waren wegen einer Lapalie aufeinander loszugehen. Eine Mutter schrie ihr Kind auf eine Weise an, daß es mir in der Seele weh tat. Eine Dame begleitete ihr Mutter beim Einkaufen und konnte ihre innere Abwehr kaum bezähmen, sie schlug mit Worten und die kleine alte Dame schrumpfte immer mehr zusammen. Nach diesen Eindrücken verliert sich das weihnachtliche Gefühl, was erweckt werden könnte wieder in einem Konglomerat diffuser Gefühle. Da ist es ein Geschenk hier in meinem Schutzraum ein Weihnachten erleben zu dürfen, das bereits gestern schon geboren und hoffentlich bis morgen erhalten bleibt und von dem ich mich nähren kann, wenn ich wieder alleine bin. Ohne Besuch und ein-sam im wohltuenden Sinne ohne das Geschwisterteil der Verlassen- und Verlorenheit. Das ist etwas, was ich besonders in diesen Tagen einem jeden Menschen von Herzen wünsche.

usv - 05:44:41 | Kommentar hinzufügen

2018-12-22

22. Dezember

Der Wind hat seine Stimme verloren und der Himmel weint nicht mehr. So wenig weihnachtlich die Morgenstimmung. Vor kurzem suchten wir uns zu erinnern, wie es damals war - in Kindertagen und ich spürte den verschütteten Bildern nach. Fand immer Schnee und die Freude, die ersten Spuren in dem so reinen Weiß zu hinterlassen, bevor es zu schutzigem Matsch mutierte. Erinnere mich an einen Tag kurz vor dem Heilig Abend, an dem mein Vater und ich den Weihnachtsbaum aussuchten und ich innerlich um Verzeihung bat, daß dieser für uns hatte sein Leben lassen müssen. Erinnere mich, wie ich nach meinen Geschenken suchte, die meine Eltern immer versteckten, da sie meine Schnüffelei kannten. Heute weiß ich, daß ich mich nur versichern mußte, ob es auch wirklich etwas war, was ich mir wünschte - allein um einer Enttäuschung vorzubeugen. Ich und meine Herzenswünsche - sie wurden selten erhört. Aber vielleicht lag es auch daran, daß ich sie nicht klar genug benennen konnte. Verstand noch nicht, wonach mich hungerte. Verbundenheit, Geborgenheit und Liebe. Über die Jahre hinweg fand ich das vereinzelt - es reichte nicht den Hunger zu stillen, der nagt und aushöhlt. Umtreibt und zerreißt. Aber da ist immer noch das nicht Aufgebenkönnen danach zu suchen.
Vor kurzem begegnete ich einem Menschen an der Kasse des Ladens, den ich aufgesucht hatte. Er hatte zwei Bierdosen in der Hand und ich bot ihm den Vortritt an. In seinen vom Alkohol getrübten Augen entdeckte ich denselben Hunger, der in mir wütet. Während des kurzen Wortwechsels sagte er: ich habe Hunger, solchen und immer Hunger. Das einzige was ich ihm geben konnte war Geld - und die Zeit zuzuhören. Nicht wegzusehen und meine Abneigung gegen Alkoholiker walten zu lassen, es fiel mir leichter, als ich gedacht hatte. Hier war ein Seelenbruder.

usv - 08:23:12 | Kommentar hinzufügen